Ann Tashi Slaters Buch „Traveling in Bardo: The Art of Living in an Impermanent World“ ist kein Ratgeber zur Selbsthilfe – es ist eine klare, ehrliche Erkundung, wie man mit den unvermeidlichen Übergängen des Lebens umgeht. Slater, der in tibetischen, indischen, japanischen und amerikanischen Kulturen aufgewachsen ist, bietet keine einfachen Antworten; Stattdessen präsentiert sie eine radikale Akzeptanz der Unsicherheit als Grundbedingung der Existenz.
Der Bardo jenseits des Todes
Der Titel des Buches bezieht sich auf das tibetisch-buddhistische Konzept von Bardo – dem Grenzraum zwischen Tod und Wiedergeburt. Slater erweitert diese Idee jedoch auf alle Übergänge im Leben: berufliche Veränderungen, zerbrochene Beziehungen, Umzug, Verlust und sogar die subtilen täglichen Veränderungen, die unser Wesen verändern. Diese Neuformulierung ist nicht nur philosophischer Natur; Es ist eine zutiefst praktische Linse zum Verständnis des ständigen Erfahrungsflusses. Vergänglichkeit ist kein abstraktes Konzept; es ist das Fundament der Realität.
Persönliche und universelle Wahrheiten verweben
Slater verbindet ihre persönlichen Erzählungen – Familienwanderungen, der Tod ihrer Mutter, Reisen über Kontinente – meisterhaft mit umfassenderen historischen und existenziellen Themen. Sie achtet akribisch auf Details und verortet abstrakte Meditationen im Greifbaren: dem Duft eines wieder besuchten Elternhauses, dem allmählichen Abdriften einer verblassenden Freundschaft. Dieser fundierte Ansatz ist von entscheidender Bedeutung, da sich Vergänglichkeit nicht nur in großen Umwälzungen, sondern auch in der stillen Erosion der Zeit manifestiert.
Der Autor scheut weder Trauer noch Zweideutigkeit und widersteht der Versuchung, den Buddhismus in Wohlfühl-Mantras zu destillieren. Stattdessen lädt sie die Leser zu der herausfordernden Arbeit ein, sich mit unfixierbaren Realitäten auseinanderzusetzen. Ihre Beschreibungen tibetischer Todesrituale beispielsweise sind nicht romantisiert; Sie enthüllen die pragmatische Weisheit, die in Zeremonien steckt, die den Lebenden und den Toten helfen sollen, den Übergang zu meistern. Hier geht es nicht um spirituellen Eskapismus; Es geht darum, sich den Komplexitäten des Lebens direkt zu stellen.
Ein aktueller Leitfaden für turbulente Zeiten
Reisen in Bardo erscheint in einer Zeit der Klimaangst, der politischen Instabilität und des schnellen technologischen Wandels besonders relevant. Slater verspricht nicht, dass die Akzeptanz der Vergänglichkeit das Leben einfacher machen wird, aber sie weist eindringlich darauf hin, dass sie uns menschlicher machen könnte – zärtlicher im Verlust, lebendiger für die Schönheit, gerade weil sie vergänglich ist.
Die Struktur des Buches spiegelt sein Thema wider: Es bewegt sich nicht in geraden Linien. Die Kapitel kehren zu Kerngedanken zurück und eröffnen gleichzeitig neue Perspektiven, wodurch ein Leseerlebnis entsteht, das einer vertiefenden Meditation ähnelt. Es ist kein Buch, das man zu Ende liest und vergisst; Es ist etwas, das man mit sich herumträgt, leichter auf den Beinen, wacher für die Schönheit der Welt und ihre unvermeidlichen Verluste.
Slater hat uns einen Leitfaden für unsichere Zeiten gegeben, keine Karte mit klaren Anweisungen, sondern etwas Besseres: die Begleitung von jemandem, der das Gebiet kennt und keine Angst davor hat, an unserer Seite durch dieses Gebiet zu gehen.
Dieses Buch bietet keine einfachen Lösungen, sondern nur den Mut, sich auf das einzulassen, was ist, ein seltener und schöner Begleiter im Chaos des Menschseins.





























